Gastbeitrag: Wieso Angst vor Kritik dich nicht abhalten sollte, deine Stimme einzusetzen

Gastbeitrag Aleks Glitzeric

Gastbeitrag von  Aleks Glitzeric :)
Wieso haben wir eigentlich so grosse Angst vor Kritik, ausgelacht und ausgrenzt zu werden von anderen?

Weil wir kritisieren.

Die Kassiererin ist zu langsam, das Baby im Flugzeug zu laut, die Frau im Tram zu fest geschminkt, der Typ zu machohaft und das Wetter zu kalt, heiss, windig – was auch immer.

Na, hast du dich gerade selbst ertappt?

Ich habe früher Fotos von Menschen im öffentlichen Verkehr gemacht – weil ich fand sie seien scheisse gestylt und dann habe ich das Ganze auf Facebook und meinen damaligen Modeblog gepostet.

Doch innerlich total unsicher und unerfüllt, einen Panzer um mich herum, Rolle der kreischenden Tussi perfekt gespielt. Weit davon entfernt einfach nur Ich zu sein.

Wenn du dann andere kritisiert (und damit mein ich jetzt nicht aufrichtiges faires Feedback, sondern sinnfreies Verstreuen von Negativität) und mit dem Finger auf sie zeigst, dann hast du (scheinbar) Macht. Du bist ist in der Position, wo du deine Unsicherheiten und Komplexe mit Bosheiten kaschierst und andere verletzt.

“Der Ton macht die Musik.”

Was furchtbar und ein Teufelskreis ist – total toxisch für dich und jeden, der darin involviert ist.

Als ich vor bald drei Jahren meine innere Reise zur Ehrlichkeit und Selbstliebe startete, hatte ich keine Ahnung wie viel Angst vor Abweisung in mir drin war. Mein inneres Kind wollte Liebe und hatte Angst genau diese nicht zu erhalten, wenn sie nicht lieb und angepasst ist – heute noch beschäftige ich mich mit diesem Thema, dringe immer tiefer rein und gebe mir die fehlende Liebe selbst.

Letzten Sommer zu kündigen, alles zu verkaufen und die Schweiz mit einem Rucksack und Sehnsucht nach Kreativität, Sonne, Sinn und Authentizität zu verlassen, war ein Aufschrei gegen alles was von mir (scheinbar) erwartet wurde, alles was ich sollte, meine Seele aber innerlich wie eine Blume ohne Wasser verwelken liess.

Ich war nicht glücklich. Ich wusste dieses Mal auch, dass ich nicht flüchtete, weil ich bin ein positiver Mensch, bin die innere Arbeit (und auch Äussere) mit viel Motivation angegangen, habe versucht mich im Alltag glücklich zu mogeln, doch es war nicht mein Traum, es war nicht wie ich leben wollte.

Einige bewundern mich für den Mut, andere belächeln mich.

Mein Blog ist für mich ein Instrument um meine Ehrlichkeit zu messen.

Quasi transparent auf dem Blog, werde ich auch im Alltag gezwungen zu mir zu stehen. Dass ich wirklich alles, was innerlich so bei mir abgeht – von Liebeskummer, Beziehungsstress, Verwirrung, Angst sowie Freude und neue Liebe – teile, stösst natürlich auch auf Kritik.

Die finde ich übrigens nicht immer so lustig, es kränkt mich sehr oft immer noch, doch der Unterschied zu damals ist, dass ich mir zu 100% bewusst bin, dass mir wichtiger ist, dass ich ehrlicher zu mir bin als den Massen zu gefallen. Auch wenn ich nicht immer das Selbstbewusstsein habe um mit einem Schulterzucken darauf zu reagieren, ich stehe zu mir.

Sich selbst anlügen ist der perfekte Nährboden für Negativität, Hass, Zerstörung und führt immer mehr zu Mangel an (Selbst-) Liebe, Toleranz, Akzeptanz und Mitgefühl.

Ausserdem wirst du dann immer und immer wieder Situationen anziehen, wo du belogen oder hintergangen wirst (mein Exfreund war ein notorischer Lügner und dachte ich sei ein armes Opfer). Wieso soll denn irgendjemand ehrlich zu dir sein, wenn du dir tagtäglich selbst ins Gesicht lügst? Dir einredest alles ist gut, obwohl das nicht stimmt? Etwas runterschluckst, dass dich verletzt anstatt deine Verwundbarkeit ehrlich anzusprechen?

Ja, es erfordert ein gewisses Mass an Mut, doch vor allem aber auch an der Selbstverständlichkeit, dass es okay ist Angst zu haben davor, dass diesen Teil von dir verurteilen auch wieder nur zum Teufelskreis beitragen wird.

Einige Fragen, die dir helfen tiefer in dieses Thema einzutauchen und dich selbst besser (=unzensiert, mit Augen der Akzeptanz) kennenzulernen:

1. Hast du irgendein Geheimnis, welches du niemanden anvertraust? Weshalb? Wieso macht dir dieser Gedanke Angst?

2. Wie gehst du mit anderen Menschen um? Wie oft am Tag kritisierst du irgendetwas? Lästerst du? Und was ist eigentlich der Auslöser dazu?

4. Wie gehst du eigentlich mit dir selbst um? Wie sprichst du zu dir? Was für Gedanken hast du, wenn du in den Spiegel schaust? Versuchst du dich selbst ständig zu verbessern?

5. Bist du eigentlich glücklich und erfüllt? Also so richtig – nicht einfach nur okay und alles ist bequem? Was hält dich davon ab ein Leben zu führen, dass deinem Traum entspricht?

Fazit: Perfektionismus und Unehrlichkeit zu dir selbst killt Freude in deinem Leben und das anderer Menschen. Wer zu sich ehrlich ist, erlöst nicht nur sich, sondern auch andere. Und Ehrlichkeit beginnt mit der Akzeptanz von all den Teilen in uns – auch solche, die wir nicht mögen, weil genau dann, wenn wir uns die Liebe schon geben, spielt Kritik immer weniger eine Rolle, weil du immer weniger abhängig bist von der Liebe anderer.

“Mehr Selbstliebe, weniger Verurteilung.”

Love,
Aleks

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