Man ist solange nicht zuhause, bis man bei sich ankommt.

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„Wie geht’s Dir Süße? Bist Du schon gut wieder zuhause angekommen?“

Wenn damit das physische ankommen gemeint ist, dann ja – ich bin angekommen.

Ich schlafe im Bett von meinem Freund, in dem Bett in dem wir 3 Monate lang täglich nebeneinander eingeschlafen und aufgewacht sind. Das Bett, dass ich doch so oft während meiner Reise vermisst habe. Sauge all die vertrauten Gerüche auf, die die einfachen, unbeeinträchtigten Erinnerungen an mein „Zuhause“ formen.

An meinem Geburtstag war ich bei meiner Mama und meinem Bruder. Ich saß auf dem Küchenbänkchen, habe ihren Tee aus den französischen Kaffeebechern getrunken und das erste mal seit 4 Monaten ihr Parfüm und den Geruch ihres Puders eingeatmet.

Und ich hatte furchtbares Heimweh.

Das komische war – ich hatte Heimweh, aber ich war daheim.

 

Mir fehlt die salzige Meeresluft, das Lächeln der Locals, die warme Sonne auf meiner Haut. Sand zwischen meinen Zehen, die tiefe Befriedigung wenn man nach dem ausschlürfen einer frischen Kokosnuss vollständig das Kokosfleisch ausgeschabt hat. Umarmungen von Menschen, die zu meiner Wahlfamilie gehören. Günstig richtig geil vegan leben können. Täglich inspiriert werden.  Die Liste setzt sich fort.

 

Wie konnte ich so verzweifeltes Heimweh haben, wenn ich doch daheim war? Schuldgefühle und Verwirrung überfielen mein Gehirn.

Ich versank in allem was mich üblicherweise sicher und verbunden fühlen ließ – Netflix auf der Coach mit Essig-Salz Chips, Frühstück im Bett, in seinem Pulli schlafen. Saß auf dem Küchenstuhl wo ich bisher immer saß.

Nichts davon brachte Abhilfe. Weil ich nicht nach einem Ort Heimweh hatte.

Ich hatte Heimweh nach einem Gefühl.

Denn Zuhause ist nicht wirklich ein greifbarer Ort. Zuhause ist ein Gefühl. Zuhause ist ein Stück deines Herzens. Zuhause ist …. Du.

Demnach habe ich viele Heimatorte. Oh, Kho Phangan. Bali. Viele „Heimatmenschen“. Eine Familie auf Zeit.

Es ist schwer, wieder hier zu sein. Deutsche Bürokratie. Kälte, sowohl die klimatische als auch die der Menschen. Ich suche nach einer eigenen Wohnung, einem „Bridge Job“ der die Lebenshaltungskosten zahlt und einer guten Coaching Ausbildung.

Ich möchte einen Ort schaffen, in dem ich all meine Heimatsfragmente zusammen finden können. Es mir schön machen, und nicht nur von Zwischenlösung zu Zwischenlösung hüpfen. Wer aus dem Münchner Raum kommt, kennt das Dilemma.

Update: Mittlerweile habe ich eine eigene Wohnung gefunden! Mein allererster Mietvertrag ist unterschrieben. Plötzlich ging alles ganz schnell – Besichtigung und am nächsten Tag war der Vertrag unterschrieben. Ich bin happy – endlich kann ich es mir mal schön machen, ein Zuhause haben, mich hier in D wieder erden. Soweit das mit Heimweh eben geht.

Manche mögen mich als überheblich ansehen, mein Heimweh als Luxusproblem. Sie sind eingefangen in dem System – arbeiten, weil sie keine andere Wahl haben. Sie können nicht reisen. Sie führen nicht das Leben, dass sie sich eigentlich wünschen. Es stimmt, ich bin unendlich gesegnet. Ich kann mein Leben sehr nach meinen Wünschen leben und dafür bin ich täglich dankbar. Ich weiß, dass es auch ein Leben außerhalb des Systems gibt – und versuche das den Menschen mit auf den Weg zu geben. Doch was ich oftmals zurück bekomme, ist Unverständnis. Ich habe kein „wahres Problem“ wie sie.

Es gibt kein wahr und unwahr. Begründet im subjektiven Empfinden von Leidensdruck, Glück, Unglück und Freiheit sehen wir immer nur den Punkt, an dem wir gerade stehen. Ist man gesund und verhältnismäßig glücklich, sieht man, wie andere unzufrieden sind und möchte ihnen etwas abgeben von der Normalität und dem, von dem man selbst glaubt, dass es die bessere Wahl sei. Und auch die meisten unzufriedenen Menschen wollen eigentlich irgendwo glücklich sein. Jeder will das, und wer behauptet, es wäre nicht so, der lügt. Man kann das Wort Glück sicher noch differenzierter betrachten. Die einen wollen geliebt werden, die anderen frei sein, wieder andere wollen einfach nur sie selbst sein oder werden. Ich möchte das nicht genauer definieren, ich werde dieses Wort einfach verwenden in der Annahme, dass jeder versteht, was ich damit meine.

Was Menschen sich auf dem Weg dorthin antun, weil sie glauben, dass es zum Ziel führt, das ist uns allen allzu gut bekannt. Es steht aber auch eines fest: die Vorstellung davon, was Glück ist, ist kein Allgemeinwissen, sondern subjektiv. Und genauso fest steht, dass die wenigsten Menschen überhaupt jemals richtig glücklich sind. Viel mehr von uns befinden sich irgendwo zwischen Unzufriedenheit und Wunschdenken. Man weiß, was man möchte und man glaubt, wenn man es erreicht hat, dann wird es einem besser gehen. Aber wirklich wissen kann man es nicht. So sind alle Annahmen über das Glück oder Unglück Anderer doch immer nur eins: Mutmaßungen.

Ich habe aus dem Heimweh etwas gelernt. Ich kann solange nicht hier ankommen, bis ich bei mir selbst ankomme. Bis ich selbst mein Zuhause bin. Denn ich vermisse nicht (nur) Orte und Persönlichkeiten, sondern vor allem der Mensch, der ich in Asien war.

Da ich aus dem deutschen System raus war, konnte ich sein wie ich bin. Ich war mein wahres Ich. Ich war frei, ich hatte Träume, Wünsche, ich habe alte Schichten und Masken abgelegt und keine Scheu vor der inneren Arbeit. An die Stelle möchte ich wieder hin, trotz deutschem System.

Ich werde in meinem Newsletter Extra näher darauf eingehen, wie man seine, was ich „Purple Destination“ nenne, findet. Einen Ort an dem Du DU sein kannst. Wo Du ausgeglichen bist, und dennoch Deine Leidenschaften einbindest.

Am 25. Februar relaunche ich meinen Blog, ab da wird der Newsletter mit Freebie verfügbar sein.

 

Ich wünsche Dir als Leser den Mut, auszubrechen. Oder zumindest zu hinterfragen. Du bist mehr wert als ein Leben im 9 to 5 Hamsterrad.

 

Lea Satya

Deutsch, Thoughts & Stories, Travel
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6 Comments

  • Reply
    Jules
    25. Februar 2016 at 14:12

    Mir gefällt dein neues Design sehr gut.
    Auch die Fotos, die du beim Shooting gemacht hast sind super hübsch.
    Hoffe dein Heimweh hält sich mittlerweile in Grenzen. Aber ich kann deine Gefühle wirklich sehr gut nachvollziehen.
    Alles Liebe
    Jules
    http://www.mabelicious.com

  • Reply
    Lea
    29. Februar 2016 at 13:38

    Danke für Deine lieben Worte Jules! Bei Dir geht es ja jetzt los mit der Reise, gell? Da wünsche ich Dir auf jeden Fall ganz viel Liebe und Spaß und auch ein bisschen Glück <3

    Alles Liebe,

    Lea Satya

  • Reply
    Aleks Glitzeric
    1. März 2016 at 18:49

    Gratuliere dir zum neuen Blog meine Liebste <3 <3 sieht wunderschön aus :)

    • Reply
      Lea
      1. März 2016 at 19:16

      Danke sehr du süße 💖

  • Reply
    Sabishii v.Droste
    9. August 2016 at 15:17

    Schön geschrieben!
    Ich glaube diese erst einmal ernüchternde Erkenntnis haben die meisten Traveller nach der Heimkehr. Viele finden sich dann doch früher oder später selber in dem Trott und Verhalten wieder, andere reisen immer wieder los, um das zu finden, was du so wundervoll beschrieben hast: ZU dem „Ort“ der in uns liegt und DU machst was draus.
    Weiterhin viel Erfolg dabei, liebe Lea!

  • Reply
    Sabishii v.Droste
    9. August 2016 at 15:18

    Schön geschrieben!
    Ich glaube diese erst, einmal ernüchternde, Erkenntnis haben die meisten Traveller nach der Heimkehr. Viele finden sich dann doch früher oder später selber in dem Trott und Verhalten wieder, andere reisen immer wieder los, um das zu finden, was du so wundervoll beschrieben hast: ZU dem „Ort“ der in uns liegt und DU machst was draus.
    Weiterhin viel Erfolg dabei, liebe Lea!

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