So, ich bin dann also Yogalehrerin.

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Namaste!

Seit dem 29.11.2015 bin ich offiziell durch die Yoga Alliance 200h Ausbildung zertifizierte Yogalehrerin. Für die Stil-Schwerpunkte Hatha und Vinyasa Flow.

Ganz schön krasse Erfahrung! Ich hab mich 4 Tage vorher völlig ungeplant angemeldet und jetzt stehe ich hier, ein Zertifikat in der Hand und muss erstmal tief durchatmen.

Dieser Post fasst meine ersten Gedanken zusammen. Ich habe noch ganz viele Notizen, die ich zu Beiträgen zusammenfassen werde

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5 Tage später habe ich noch längst nicht alle Erfahrungen und Eindrücke verarbeitet. Es fühlt sich noch sehr surreal an.

30 Tage sind nur ein Wimpernschlag deines Lebens, und doch fühlt es sich an als hätte man meine Schneekugel des Lebens einmal fest geschüttelt und alle Teile fallen irgendwie anders an Ort und Stelle.

In der ersten Woche dachte ich ernsthaft daran, eine Stufe runterzuschalten und nur das normale Yogaprogramm der Schule zu machen. Ich dachte ernsthaft, ich pack es nicht.

Doch ich habe es geschafft und jetzt bin ich so glücklich und stolz!

Alte neue und neue alte Gewohnheiten wurden entweder aufgelöst oder gefestigt.

Statt Zigaretten und herkömmlicher Medizin a la „schmeiss dir ne Ibu rein und trink halt nen Kaffee“ lieber Pranayama (Atemübungen) an der frischen Luft, holistische & natürliche Medizin, gesunde überwiegend vegane Ernährung, Yoga, Tanztherapie, Thai Massagen, tägliche Meditation.

Über die ersten fünf Tage habe ich hier geschrieben.

Doch wie es ist eigentlich dazu gekommen?

Falls Du meinen Blog noch nicht länger verfolgst, hier die Kurzfassung und Links zu den entsprechenen Beiträgen.

Am 1. Oktober 2015 bin ich aufgebrochen auf meine erste Backpacking Reise. Ohne Eltern und ohne meinen Freund.

Ich war noch nie zuvor in Asien, und Plan war, dort zwei Reisepartner zu treffen und dann 7 Wochen mit ihnen durch Singapur, Malaysia und Thailand zu reisen.

Wir sind auch zusammen losgestartet, sind durch Singapur und Malaysia gehetzt, haben uns allerdings nach 12 Tagen wieder getrennt. Es hat einfach nicht gepasst – ihr Reisetempo, ihre eher extrovertierte Persönlichkeit und ich. Aber das ist okay, wir haben uns im guten getrennt und hätte ich nicht die Entscheidung getroffen, von Thailand aus alleine weiter zu ziehen, wäre ich nie hier angekommen.

Die ganze Geschichte zum alleinreisen gibts hier!

Meine ersten Tage als alleinreisende auf Koh Samui waren im Rausch der Aufregung in eine rosarote Wattewolke getunkt. Danach kamen erste Zweifel auf – Es war laut, dreckig, schnell, Reizüberflutung auf allen Sinnen.

Ich traf wundervolle Menschen, die mich ablenkten und mich mit ihren tiefgründigen, freudigen und teils einfach absurd lustigen Gesprächen bereichert haben. Doch genauso schnell wie sie kamen, waren sie auch wieder weg und mit ihnen die Sicherheit und Geborgenheit, nicht alleine zu sein. Auf Koh Samui kam dann eine Zeit voller Heimweh und Herzschmerz. Ich habe die Stimmung und die Energien dort nicht gepackt. Alles keine Dinge, die dazu beitragen, dass man sich besonders wohl fühlt.
Letztendlich bin ich zwei Wochen am selben Ort festgehangen und habe nur eine Ecke der Insel gesehen … shame on me. Zu meiner Verteidigung, ich habe kein Motorrad bzw kann es (noch – ich lerne gerade!) nicht fahren und ich bin krank geworden. Ich musste sogar in ein thailändisches Krankenhaus, aber keine Sorge, nichts schlimmes.

Ursprünglich sollte mich mein Freund besuchen kommen, ich hatte Flüge für ihn gebucht (und bezahlt – Lovelies, macht das nicht: Stornierungsgebühren sind hoch! Die soll er dann selbst zahlen…) und alles geplant.

Noch ein Grund, warum ich auf Samui festsaß – ich wartete darauf dass er kommt, was jedoch nie eingetreten ist. Er hat Prüfungen direkt danach. Es ist zu kurz und er würde mich danach nur noch mehr vermissen. Es ist zu teuer… ähm ja, ich zahle es dir?!

Ich konnte nicht anständig schlafen auf Samui. Der Beziehung zuliebe bin ich lange wach geblieben um mit meinem Freund schreiben und skypen zu können. Sein Pulli roch noch leicht nach seinem Parfüm, genug um einen Stich im Herzen auszulösen und Erinnerungen hochzuholen. Ich wollte so bald wie möglich wieder zuhause sein und habe bereits nach Flügen geschaut.
Doch Gott sei Dank habe ich mir selber eine Bedingung gestellt: nach 5 Tagen darfst Du buchen. Wenn Du auf der Nachbarinsel Kho Phangan und auf der Vollmondparty warst. Ausserdem hatte ich in der Zeit dann meinen ersten Coaching Call mit Ashley Paquin.
Gott sei Dank habe ich mir diese Bedingung gestellt!

Auch dazu gibt es einen Post.

Auf Phangan angekommen erwartete mich ein winziges Bett in einem winzigen Frauen „Schlafsaal“. Dafür in einem authentischen, liebevollen Hostel direkt am weißen Sandstrand mit Palmen und Hängematte. Ursprünglich hatte ich geplant, bei The Sanctuary ein Yogaretreat oder Detox zu machen – habe eine Empfehlung dafür bekommen und es ist wirklich wunderschön gelegen.

Außerdem auf dem Programm: Die sagenumworbende Fullmoon Party in Haad Rin. Habe mich selbst dazu überreden müssen, dort hinzugehen, da ich nicht wirklich Bock auf Massenbesäufnis hatte. Doch als selbst meine Mama (eine wundervolle Frau übrigens) sagte, ich solle hingehen, der Erfahrung halber, bin ich also mit.

War ganz nett, aber hatte mir mehr davon erhofft. Wie gedacht überall Menschen, die wahlweise entweder betrunken, high oder beides waren. Und ich mitten drin, komplett nüchtern.

Vergiss die Vollmondparty. Und dann geh trotzdem nach Kho Phangan! Warum, kannst du hier noch genügend auf dem Blog lesen.

Una, die Hostelmanagerin, war bei Samma Karuna anderthalb Monate als Volunteer und hat es mir wärmstens empfohlen. „Jüngere Leute als bei The Sanctuary und nicht so snobby“.

Warum ich die Yogalehrer Ausbildung machen wollte

Ich spielte mit dem Gedanken eine Yogalehrer Ausbildung zu machen, nur für mich. Um tiefer in die Materie einzusteigen. Weil ich Ruhe wollte. Weil ich mich wieder auf mich und meinen Körper, Geist und Seele konzentieren wollte. Mein Vater macht derzeit eine berufsbegleitende Yogalehrer Ausbildung in Deutschland. Aus dem selben Grund. Ironie, dass er vor mir anfing und erst nach mir fertig wird haha :)
Hatte allerdings Zweifel und Bedenken. Dann der erste Coaching Call mit Ashley um zwei Uhr nachts (15 Stunden Zeitverschiebung…). Gamechanger! Habe mich am selben Tag für die Yogalehrer Ausbildung bei Samma Karuna angemeldet, der in 4 Tagen anfangen würde. Bäääääm!

Statt einen Rückflug zu buchen, machte ich also die Vereinbarung mit mir selbst. 30 Tage Yoga. 30 Tage bis ich weitersehe, was meine Reisepläne machen. Übrigens, sie ändern sich täglich. Willkommen im Leben der ungebundenen Reisenden.

Mein Freund war nicht gerade begeistert, aber das hatte ich auch nicht erwartet. Ich habe durch die Ausbildung noch mehr Liebe für ihn entwickelt und gleichzeitig bin ich mir bewusst, dass es keine leichte Situation ist. Das es eventuell anders wird als vorher. Und er mit Yoga, Meditation und Spiritualität nicht so viel anfangen kann wie ich (so kommt es mir jedenfalls vor).  Happy Mind hat einen tollen Beitrag geschrieben, wie man den Partner Yoga, Meditation und Spiritualität näher bringt.

Voller Vorfreude auf Unas Motorrad mit Backpack auf dem Rücken zu Samma Karuna gefahren. An unberührter Natur und Palmen vorbei. Phangan ist eindeutig schöner und grüner als Samui, mit positiveren Energien! Spontane Entscheidungen können oft die besten sein. Einfach auf das Herz hören, ist sowieso viel schlauer als das Hirn.

The Journey begins…

Ich bin zwei Tage früher angekommen, um mich etwas eingewöhnen zu können. Es war ungewohnt, eine so starke Bewusstheit dort vorzufinden.
Essen segnen. Lange, von Herzem kommende Umarmungen.

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Lebensfreude, die aus jeder Pore zu strahlen schien. Und doch fühlte ich mich sofort zuhause und wohl. Ich fühlte mich nicht „überrannt“ von fremden Energien, war nicht überfordert mit der konstanten Reizüberflutung.
Ich habe einen Abend, bevor ich zu Samma Karuna gefahren bin, noch meine letzte Zigarette geraucht. Es war glaub ich nicht mal eine ganze. Es fühlte sich falsch an.

Ich habe seit dem 30. Oktober keine Zigarette mehr geraucht. Auch nicht gezogen. Und selbstverständlich auch sonst nix geraucht oder andere Drogen/Substanzen genommen. Kein Alkohol. Kein Fleisch, Fisch oder Eier. Selten Milchprodukte.

Und ich vermisse es kaum. Ich will nicht sagen, dass ich es gar nicht vermisse. Anfangs war es etwas schwer, wenn ich rauchende Menschen sah.
Ich vermisste das „Gemeinschaftsgefühl“, die Gemütlichkeit zusammen eine zu rauchen – nach dem Essen, in geselliger Runde, als Begleiter eines ehrlichen, emotionalen Gesprächs. Ich will euch nichts vormachen – rauchen war oft ein Weg für mich, Bekanntschaften zu schließen, wenn ich schüchtern und neu an einem Ort war.

Mein Partner raucht und es hatte etwas verbindendes, sich eine Zigarette zu teilen. Ich werde nicht lügen – rauchen ist gesellschaftlich anerkannt und damit hat man es als Raucher, zumindest aus meiner Sicht, oft leichter Menschen kennenzulernen.
Doch ich wusste, dass es mir nicht gut tut. Ich wollte aufhören, es war allerdings nicht so einfach. Mit der Yogalehrer Ausbildung MUSSTE ich aufhören und hatte damit einen Grund. Und mittlerweile will ich auch nicht mehr anfangen. Es nervt mich sogar eher, wenn andere Menschen rauchen.

40 Tage Yoga später. Yoga TTC plus ein paar extra Tage. 12 Stunden Mo. – Sa.

Ich kann noch immer keinen Kopfstand, keinen Skorpion und selbst Basics sitzen teils noch nicht so gut. Ich kann mich kurz in der Krähe halten, allerdings nicht lange. Chaturanga verlangt meinen kaum vorhandenen Armmuskeln viel ab. Virabhadrasana (Krieger) Posen sehen oft nicht wirklich eines Kriegers würdig aus 😀 Ich habe während der Ausbildung sogar eine Privatstunde genommen, um daran zu arbeiten.

Samma Karuna wurde zur Familie. Als mir Kev, ein vorheriger TTC Schüler sagte, dass ich hier lebenslange Freundschaften schließen würde, winkte ich es zunächst als „emotionales High Gerede“ ab. Doch ich weiß nun was er meint. Es ist sogar noch mehr als das.

Ich habe hier eine Gemeinschaft gefunden, die mich so akzeptierte und liebt, wie ich wirklich bin. Das erste Mal in meinem Leben und „Schul“laufbahn musste ich mich nicht verstellen. Ich war nicht diejenige, von der alle am schnellsten genervt sein würden. Ich wurde gemocht, ich wurde völlig selbstverständlich zum Abendessen mitgenommen, man setzte sich für mich ein, wenn ich aufgrund meiner Schwerhörigkeit etwas nicht verstand.

(Ich kann Lippenlesen und kann den meisten Gesprächen recht problemlos folgen. Im Yogaunterricht auf dem Kopf oder mit geschlossenen Augen in der geführten Meditation wird das allerdings schwieriger.)

Ich konnte radikal ehrlich sein. Ich konnte meine tiefsten Sorgen, Ängste, und Freuden mit Ihnen teilen. Viele Umarmungen, viele Tränen, viel Lachen, große Trauer bei der Verabschiedung. Unendliche Dankbarkeit, diese Menschen kennenlernen zu dürfen. Wie Winnie the Pooh sagte:

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Ähnliches habe ich bereits in meinem Facebook Post hier beschrieben!

Die Ausbildung war anstrengend und zugleich befreiend, auf allen Ebenen. Körperlich, geistig und seelisch. Ein Prozess wurde in Gang gesetzt, doch er ist nicht immer angenehm. Es kommen viele alte Erinnerungen, Gefühle, Gedanken und alte Glaubensmuster hoch die Bearbeitung und Heilung verlangen. Das kostet Kraft und Mut!
Die Yogaschule ist ein sicherer Hafen, um all diese Emotionen aufzufangen, und Du wirst hier gleichgesinnte Menschen treffen.

Ich hatte hier schon einige Deja Vu Begegnungen, die so derartig ähnlich waren, dass es mir teils wie ein Traum vorkam. Da sitze ich total perplex im veganen Café als sich vor mir ein junger Typ hinsetzt, der haargenau aussieht und sogar spricht wie ein langjähriger Bekannter von mir, mit dem ich nicht 100% im Guten auseinandergegangen bin. Ich habe ihm mein überraschtes Verhalten versucht zu erklären, indem ich ihm sagte dass er mich an einen Bekannten errinert. Mehr aber auch nicht. Später sah ich ihn noch ein paar Mal flüchtig, und ich frage mich was passieren würde wenn ich ihm die Story erzählen würde. Würde sein Verständnis stellvertretend für Versöhnung stehen? Oder interpretiere ich da einfach nur zuviel in die Begegnung rein… Dann habe ich akzeptiert, dass es wahrscheinlich so sein soll um in mich und mein Herz zu gehen und zu checken, ob die Situation mit meinem Bekannten wirklich geklärt ist, oder was noch hochkommt.

Bei meiner ersten Surdashan Kriya, einer Art aktiven Pranayama Meditation, habe ich als einzige beinahe durchgehend geweint.

Es war eines der krassesten Heilungserlebnisse während dem TTC. Und als wir nach einer Stunde Dauerschnaufen und heftigster Atmungsübungen in Savasana liegen, kommt in mir eine so starke Selbstliebe und innerer Frieden hoch, wie ich ihn noch nie erlebt habe. Nein, nicht mal auf Drogen. Nicht diese Affirmationen Pseudo Selbstliebe Einbildung, wo man sich das so lange einredet bis man denkt man liebt sich selbst. Nein, dieses Gefühl war echt. Es war  ungeplant. Wir hatten keine Anleitung „So, und jetzt lieben sich mal alle selbst“, sondern dieser Frieden, der kam völlig ungeplant in mein Herz und hat mich völlig umgehauen. Es ist nicht jeden Tag gleich viel von diesem Gefühl da. Aber man erinnert sich daran und das ist unglaublich wertvoll!

Ich habe gelacht. Ich habe geweint. Ich habe Heilung erlebt.

Ich habe Vipassana Meditation verabscheut, bis ich in der vorletzten Woche gemerkt habe, wie gut es mir tut. Ich habe die OSHO aktive Kundalini Meditation geliebt, obwohl ich beim ersten Gedanken an Osho an die Bhajwan Sekte, orangefarbene Kleider und Rolls Royce denken musste. Eben all die Vorurteile, die Leute davon abhält, sich auf die Meditationen einzulassen – die nämlich echt gut sind!

Niemand muss deswegen Osho toll finden oder gar Anhänger werden. Aber warum nicht das Gute rauspicken?

Ein paar mehr Informationen findet ihr bei Wikipedia und der deutschen Osho Website.

Ich habe meinen Körper in alle möglichen Asanas gebogen.

Ich habe Unterrichen geübt,

Yoga Theorie gelernt, und wöchentlich meine Kenntnisse darüber bei einem Test wiedergegeben.

Allmorgendlich um 6 aufgestanden, um Oilpulling mit Kokosöl zu praktizieren, gefolgt vom abschaben der Zunge, abreiben des Zahnfleisches mit Salz, dann erst das reguläre Zähneputzen.

Ich habe Gegenstände benutzt, dessen Namen mir noch vor wenigen Wochen ein komplettes Fremdwort war. „Netipot? Wasn‘ das?“ Auflösung hier.

Ich habe hier meinen Sanskrit Namen als einen ernstzunehmenden Namen mit Bedeutung dahinter angenommen. Was als Spaß in meiner Klasse angefangen hatte, lebe ich nun jeden Tag: Satya! Wahrheit, Aufrichtigkeit auf deutsch.

Das zweite Yama („do“) im Yoga. Zwei Wochen nachdem ich das erste Mal von diesem Wort gehört habe (und mich darin verliebte) kam Senior Yoga-TTC-Trainer Satyama aus dem Urlaub zurück. Sie heisst also quasi genauso :) Mit dem Unterschied, dass sie ihren Sanskrit Namen von einem Guru bekommen habe.

Ich nicht, aber Satyama ermutige mich:

„Es ist nicht wichtig, von wem Du diesen Namen bekommst, sondern wie ernst Du ihn nimmst“.

Und sie nannte mich von da an Satya bzw. fragte, ob ich so genannt werden möchte und ob es auf meinem Zertifikat stehen sollte. Das tut es auch – auf meinem Zertifikat für die Chi Nei Tsang Abdominal Massage, die ich am Anschluss an die Yogalehrer Ausbildung gelernt habe. Love <3

Ich habe eine Vergangenheit, in der sich sehr viele Lügen wie ein roter Faden durch mein Leben zogen. Lügen zu mir selbst, Lügen zu anderen (auch Notlügen), habe Lügen von anderen, den Medien, etc. geglaubt. Habe meine eigene innerste Wahrheit noch nicht gefunden. Diese Zeilen sind nicht einfach zu schreiben und es wird noch unangenehmer sie zu veröffentlichen.
Aber es ist die Wahrheit, Satya – ich habe oft manipuliert oder gelogen. Meist, um mir kurzfristig einen Vorteil zu schaffen oder gemocht zu werden, Mitleid und damit Aufmerksamkeit zu bekommen. Das ist sehr traurig, aber es ist die Wahrheit. Mittlerweile spreche ich die Wahrheit aus, auch wenn sie unangenehm ist. Ich gebe mir die größte Mühe, dabei liebevoll zu sein.  Ich sage die Wahrheit auch dann, wenn ich dadurch einen Nachteil habe. Es ist hart. Radikale Ehrlichkeit ist immer hart. Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich nicht die ganze Wahrheit sage oder nur mit einer Person darüber spreche, aber nicht mit der, die es betrifft – aber das ist fast wie lügen. Und das will ich nicht. Schluss mit Ego.

Dies sich selber einzugestehen ist ein ziemlich harter Brocken. Es ist gut, bei diesem Prozess Familie zu haben, die Dir verzeihen und dich lieben. Menschen, die Dich auf deinem Weg unterstützen. Und die habe ich sowohl in meiner direkten Familie als auch hier bei Samma Karuna genug.

Habe ich mich verändert? Ja. Ziemlich sicher.

Aber ist Veränderung etwas negatives? Nein, ich denke nicht.

Es geht so viel in meinem Kopf ab, und ich kann gar nicht jeden Gedanken niederschreiben, wenn ich noch etwas vom Leben mitbekommen will. Die tiefsten spirituellen Einsichten kommen mir meist unerwartet – und dann ist das Notizbuch eh nicht zur Hand.

Samma Karuna ist eine Schule, die keiner Religion angehört. Und doch wurde meine Glaubensbasis ganz schön ins Wanken gebracht.

Mittlerweile weiss ich gar nicht, ob ich überhaupt noch Christin bin. Das klingt jetzt erstmal krass und mag klingen, als würde ich meinen Glauben aufgeben. Nein nein. Ich habe nur neben dem Christentum viele andere Elemente, an die ich glaube und die mich glücklich machen und mir Heilung schenken. Es klingt so einschränkend, als dürfte man neben Jesus an nichts glauben und von nichts anderem Heilung erfahren. So ist das aber nunmal nicht bei mir, und Spiritualität zieht sich wie ein roter Faden schon viel länger als Christentum durch mein Leben …

Ich liebe meine Kristalle und Heilsteine, ich mag die OSHO Kundalini Meditation (ja genau, die kommen von dem bärtigen Mann mit den Rolls Royce und die Anhänger kennen wir seit „Sommer in Orange“ ja. Die Meditationen sind trotzdem gut und kostenlos auf Youtube/Spotify/in vielen Zentren!), ich habe mich mit holistischer Medizin auseinandergesetzt, viel über Chakras, Kundalini und Energien gelernt. Ich finde das buddhistische Prinzip des Karmas und der Wiedergeburt einleuchtend. Ich habe eingesehen, dass  meine Hochsensibilität im Grunde nichts anderes bedeutet, als das ich ein Empath bin. Spirituell gesehen bedeutet es, dass ich die Energien anderer Menschen um mich herum wahrnehme und mich dann unbehaglich fühle. Das führt manchmal sogar zu einem Paradoxum, dass Empathen für unsensibel oder nicht einfühlend gehalten werden. Daher mochte ich große Menschenmengen nicht wenn sie unvorhergesehen aufgetreten sind, ich brauche viel Zeit allein und umgebe mich am liebsten nur mit gleichgesinnten Menschen. Ein sehr aufschlussreiches Video hat Laila Santini hierzu gedreht: Bist du hellfühlig / ein Empath?

So viel zu spüren kann belastend sein. Ich muss lernen, mich besser abzugrenzen und die Gefühle der anderen nicht zu meinen werden zu lassen. Lieber Empath, wenn Du dich hier wieder erkennst, hast Du mein Mitleid. Achte gut auf Dich und akzeptiere Deine Gabe als eine solche an. More love, not less!

Aus irgendeinem Grund fühle ich mich dazu verpflichtet, mich für eine „Sache“ zu entscheiden. Christentum, Buddhismus, Spiritualität, Hinduismus, gar nichts davon, Yoga, Chakra Balancing, und was es nicht alles gibt auf dieser Insel, Heimat von „conscious living“.
Ich fühle mich hin und her gerissen zwischen „oh, das darfst Du aber nicht, das ist nicht christlich“, „das tut mir aber einfach richtig gut und fühlt sich richtig an“ und habe, obwohl ich schon lange nicht mehr in meine christliche Gemeinde  gehe, den Wunsch von den Menschen dort akzeptiert und geliebt zu werden. In meiner TTC Klasse habe ich eine wundervolle Frau kennengelernt, die mit ganzem Herzen Christin ist. Sie war oft skeptisch und hat sich auf manches nicht einlassen können oder wollen. Obwohl ich ein tiefes Verständnis für ihre Situation habe und auch zusammen mit ihr gebetet habe, fand ich es traurig. Mit einem open Mind lebt es sich leichter – und wer weiß, vielleicht ist genau das, was du aus Prinzip ablehnst, ein Weg der dir sehr helfen würde.

Um jetzt all meine christlichen Freunde zu beruhigen – ich mache keine Reiki Sessions, fuchtele nicht mit Pendeln herum, ich starre auch nicht in Kristallkugeln und bete keine Kühe an. 😀

Ich habe einfach  nur eine größere Offenheit gewonnen, für verschiedene Modelle. Und das macht mich ziemlich glücklich. Müsste ich mich für einen Glauben entscheiden – ich würde die Liebe wählen.

Es gibt so viel zu erzählen. Und manches lässt sich einfach nicht in Worte fassen.  Doch ich werde es versuchen.

Conni Biesalski von Planet Backpack hat nur wenige Wochen vor mir ihre Yogalehrer-Ausbildung abgeschlossen und darüber einen wundervollen Artikel geschrieben. Sie beschreibt da vieles, wo es mir ganz ähnlich geht. Schaut mal rein: http://www.planetbackpack.de/yogalehrerausbildung/

Mittlerweile ist dieser Post schon über 3500 Wörter lang. Ich schreibe seit mittlerweile 6 Stunden daran. (mit kurzen Kokosnuss und Schlemmer Snack Pausen)

Gebt mir etwas Zeit, um noch mehr zu schreiben. All die lustigen Geschichten. All die life changing Teachings. Wo es das beste Essen auf Kho Phangan gibt und welche Fehler Du nicht machen solltest. Was ich gerne gewusst hätte vor meiner Yogalehrer Ausbildung, etc ….

Wie geht es weiter?

Mein Ziel ist es nicht, sofort Vollzeit als Yogalehrerin zu arbeiten. Dafür fühle ich mich noch nicht bereit, da ich erstmal meine eigene Praxis noch weiter verbessern möchte. Dafür assistiere ich in der Yogaschule.

Dann werde ich mich an Anfänger Klassen herantrauen. Meine Zielgruppe wären eher Frauen, die sich nach Entspannung sehnen – da ich eine sehr starke Yin Ausprägung habe und ruhige Yogasessions bevorzuge. Zudem habe ich eine recht sanfte Stimme.

Momentan bin ich immer noch im Ort der Schule, ich besuche die Stunden, aber nicht alle. Ich bin gern und viel allein. Ich lese, entspanne, verschlinge das geschmacksorgasmische vegane Essen an den Hotspots, und versuche mich auf mich zu fokusieren. Ich werde mein Visa verlängern müssen, wenn ich hier noch etwas bleiben möchte. Und das will ich – am liebsten möchte ich die Insel nie wieder verlassen. Und im nächsten Moment juckt es mir in den Fingern, all die anderen zauberhaften Orte mit ähnlich positiver Energie kennenzulernen.

Mein Plan sieht derzeit danach aus, dass ich am 18. nach BALI fliege und dort die herzallerliebste Aleks von Magical Life of Aleks treffe. <3 Wow, vor wenigen Monaten das erste Mal auf Facebook geschrieben wegen ihrem Flohmi, und mittlerweile tauschen wir unsere tiefsten Gedanken und Gefühle miteinander aus. Ich liebe diese Begegnungen, die einfach meant to be sind!

Vielleicht komme ich danach zurück nach Thailand, um mehr davon anzusehen als nur zwei Inseln hahahaha …. hach und andererseits, ist es doch das, was alle so am Reisen lieben – ein Zuhause auf Zeit finden.

Much love und Namaste von einer glücklichen Inselyogini. Ich habe hier meine purple Destination gefunden.

Lea Satya

Deutsch, Travel, Yoga & Soul
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